Depression als Lebensaufgabe

2003 wurde in der Bundesrepublik Deutschland ADHS im Erwachsenenalter offiziell anerkannt.

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  • Mit Mitte zwanzig wurde ich zum ersten Mal zum Psychotherapeuten geschickt mit der Verdachtsdiagnose Depression. Seitdem war ich bei mehreren TherapeutInnen in Behandlung. Die Depression ist noch immer da. Ein Grund dürfte sein, dass jahrelang nicht erkannt wurde, wieviele meiner Probleme mit ADHS hätten erklärt werden können. Statt dessen erkundete ich immer wieder aufs Neue meine Kindheit, sämtliche Lebensabschnitte bis heute, ohne dass sich in mir etwas auflöste. Den Zorn, die Ängste, die ständigen Konfrontationen mit den Eltern, mit Lehrern und Vorgesetzten, die zahlreichen Demütigungen erlebte ich jedes Mal neu, aber es gab keine Erklärung, die mich von der Vergangenheit befreit hätte. Jetzt, vorzeitig in Rente, weil ich einfach nicht mehr konnte, weiß ich endlich: ich war unaufmerksam, vergesslich, jähzornig usw., weil ich ADHS habe. Wer sein ganzes Leben lang kritisiert und zurechtgewiesen wird, wer immer wieder erlebt, dass er nicht "passt", nirgendwo, zweifelt und verzweifelt irgendwann an sich selbst. Ich habe mich so oft gefragt, was nicht stimmt mit mir, dass sich ein schwarzes Loch geöffnet hat, in dem alle Freude, alles Helle verschwunden ist. Ich erwarte nicht, jemals wieder frei zu sein. :|