Intranasales Oxytocin bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen

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  • Vorweg : Ob man nun Autismus-Spektrum-Störungen überhaupt "wegbehandeln" bzw. allein als Defizit bestimmter Botenstoffe oder Strukturen definiert, finde ich schon fraglich. Aber die Anwendung vom "Kuschelhormon" Oxytocin hört man (leider) immer wieder. Dabei spricht die Studienlage eben nicht für die Anwendung. Wenn man sich etwas mehr mit Autismus-Spektrum-Besonderheiten beschäftigt, kann man sich das auch denken..


    Auch wenn die Ergebnisse bisheriger Studien uneinheitlich sind, wird Oxytocin heute bereits bei vielen betroffenen Kindern off-label eingesetzt.


    Einiges spricht für die Anwendung von Oxytocin bei Autismus-Spektrum-Störungen: In Tierversuchen verbesserts Oxytocin Sozialverhalten und soziales Gedächtnis - beides ist bei autistischen Störungen gestört.


    Bei Menschen mit bekannten Entwicklungs- oder psychiatrischen Störungen führte die Anwendung von Oxytocin-Nasenspray zur Verbesserung von sozialem Zugehörigkeitsgefühl, sozialem Gedächtnis und Empathie.


    Zudem wurde in einigen Studie verminderte Oxytocin-Spiegel bei Kindern mit autistischen Störungen nachgewiesen - wenn auch nicht in allen.


    Die Arbeitsgruppe von Linmarie Sikich von der Duke University Durham, USA, haben jetzt in einer Phase-2-Studie die Wirksamkeit von intranasalem Oxytocin bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen untersucht.


    25 % waren zwischen 3 und 6 Jahren, 39 % zwischen 7 und 11 und 36 % zwischen 12 und 17.Sie erhielten über 24 Wochen randomisiert und doppelblind entweder intranasales Oxytocin oder Placebo.


    Primärer Endpunkt war die Besserung in der Aberrant Behavior Checklist Social Withdrawal subscale - sekundäre Endpunkte Verbesserungen in weiteren Tests zum Sozialverhalten und Veränderung des IQs.In der Entwicklung der ABCmSW zeigte sich keinerlei Unterschied zwischen den beiden Gruppen - egal ob die Kinder flüssig sprechen konnten oder nicht.


    Auch alle anderen Untersuchungen des Sozialverhaltens und des IQs ergaben keinen Vorteil für Oxytocin.


    Unter Oxytocin gaben die Kinder häufiger Appetitsteigerung, verstärkte Energie, Ruhelosigkeit, subjektiven Gewichtsverlust, vermehrten Durst, Unaufmerksamkeit und Myalgien an.


    Warum diese Studie anders als kleinere Voruntersuchungen keinen positiven Effekt hatte, kann verschiedene Ursachen haben, heißt es in einem Editorial von Daniel H. Geschwind von der University of California, USA. Möglicherweise gibt es ein kritisches Zeitfenster für die Wirksamkeit von Oxytocin, was bei dem breiten Altersspektrum nicht berücksichtigt wurde.


    Aufgrund der kurzen Halbwertzeit von Oxytocin im Gehirn, reichte eventuell auch die zweimal tägliche Applikation des Sprays nicht aus.


    Zudem ist die soziale Dysfunktion bei Autismus-Spektrum-Störungen sehr heterogen und menschliches Sozialverhalten hat zahlreiche Komponenten, die durch die Tests möglicherweise nicht vollständig erfasst werden.


Das Projekt "ADHS-Deutschland Community" wurde gemeinsam mit dem ADHS Deutschland e.V. aufgebaut und finanziert.